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14. Juni 2022

Es ist alles subjektiv

Lesezeit ca. 3 Minuten

1x5 ist nicht gleich 5x1

Auch wenn in der Mathematik 1x5 = 5x1 ist, trifft dies im realen Miteinander zwischen Menschen und Menschen, oder auch Menschen und Systemen, nur selten zu.

Um was es geht

Ob ich etwas einmal für 5 Minuten machen muss, oder 5-mal für jeweils eine Minute macht einen Unterschied aus. Je nach Kontext mehr oder weniger extrem. Aus rein ökonomischer Sicht benötigt die Tätigkeit in der Summe 5 Minuten. In der subjektiv empfundenen Wahrnehmung jedoch gibt es hier Unterschiede.


Wer hier tiefer einsteigen möchte, dem sei das Buch ‘Alchemy’ von Rory Sutherland empfohlen.


Rory Sutherland nennt diese Tatsache (in dem oben genannten Buch ‘Alchemy’) psycho-logic:

“Mein Wort zur Beschreibung der Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen - um es von den künstlichen Begriffen "Logik" und "Rationalität" zu unterscheiden... Ich habe Psycho-Logik als neutralen und nicht wertenden Begriff gewählt. Ich habe dies aus einem bestimmten Grund getan. Wenn wir nicht-rationalem Verhalten einen Namen geben, ist es normalerweise ein Wort wie 'Emotion', das es wie den bösen Zwilling der Logik erscheinen lässt."

Warum das wichtig ist

  • Nehmen wir einmal das Onlineshopping als Beispiel. Es ist sehr einfach für 5 Personen jeweils eine Sache zu bestellen. Möchte aber eine Person nun 5 unterschiedliche Ding bestellen, wird das ganze zu einer Herausforderung. Das Kundenerlebnis ist plötzlich nicht mehr so ideal, da die verschiedenen Artikel zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Tagen geliefert werden. Plötzlich fühlt sich ein Besuch im nächsten Kaufhaus viel weniger chaotisch an, oder? 😉

    Eine wichtige Erkenntnis und naheliegend, weshalb - unter anderem - Jeff Bezos die Prime Mitgliedschaft eingeführt hat. Somit hat er vor allem psychologisch die Hürde der mehrfachen Lieferkosten bei 1 x 5 Bestellungen gesenkt.1 Übrigens heißt es, dass er dies gegen den Rat der hauseigenen Ökonomen getan haben soll.
  • Auch aus gestalterischer Sicht ist das interessant: Nehmen wir an, dass Sie sich verantwortlich zeichnen, für die Gestaltung von Jobprozessen in einem Unternehmen. In fast jedem Job gibt es Dinge, die man lieber als andere macht. Wie wäre es, wenn es man Aktivitäten, die unbeliebt sind, lieber einmal über einen längeren Zeitraum durchführt und die Aktivitäten, die wir lieben lieber öfter und dafür kürzer? Das klingt erst einmal unintuitiv, ist man doch dazu geneigt, gerade unliebsame Aufgaben gerne in kleine Teilabschnitte unterteilen. Dabei vergisst man aber leicht, dass wir Menschen gut darin sind, uns an etwas zu gewöhnen. Heißt: bin ich erst einmal in einer unliebsamen Aufgabe unterwegs, ist es oft sinnvoller es durchzuziehen, da man sich mit der Zeit eher damit abfindet bzw. im Momentum daran gewöhnt. Öfter wieder neu mit einer unliebsamen Aufgabe anfangen zu müssen, ist emotional beschwerlicher.
    Auch an eine erfreuliche Aufgabe gewöhnt man sich und die Emotion lässt etwas nach. Gerade deswegen kann es sinnvoll sein, solch eine Aufgabe lieber in kleinen Abschnitten auszuführen. Man freut sich so öfter immer wieder darauf. Emotional gesehen ein plus.2
  • Ein weiteres spannendes Beispiel passt perfekt zu einem Thema, über dasebenfalls vor kurzem ein Artikel veröffentlicht wurde: Steuerzahlung und Gamification.
    Auch hier könnte (sollte?) 1x5 nicht gleich 5x1 sein. Unser Steuersystem geht davon aus, dass eine Person, die einmal 100.000 € im Jahr verdient, genau so besteuert werden soll, wie eine Person, die 100.000 € in zehn aufeinander folgenden Jahren verdient. Ist das richtig so? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Aber verwunderlicher Weise, habe ich auch nicht gehört, dass diese Frage gestellt wurde. Eventuell, weil hier das gesamte Thema der Verhaltenspsychologie einfach gar nicht in mit in die Gestaltung von Steuergesetzen einbezogen wurde?
    Dabei haben wir doch jedes Jahr wieder sehr emotionale Diskussionen über das Thema. 😉

Unterm Strich

Die klassische Wirtschaftstheorie ist ein unvollständiger Leitfaden für das menschliche Verhalten. Nicht alle unsere Entscheidungen werden durch Zahlen bestimmt, sondern fast immer durch emotionale Reaktionen. Im Nachhinein versuchen wir unsere Entscheidungen dann gerne an rationalen Zahlen festzumachen und glauben dann, dass wir von Anfang an aus den rationalen Gründen gehandelt haben.

Für den CBO geht es daher eher darum zu wissen, was Ökonomen nicht wissen.


Chief Behavioral Officer gesucht

Wo werden täglich Managemententscheidungen getroffen, die immer noch vom logisch handelnden Menschen ausgehen? Wo können Sie diese Woche selbst ein Chief Behavioral Officer sein?

Wir sehen uns kommenden Dienstag.

Wenn Sie uns Tipps oder Feedback senden möchten, dann schicken Sie uns eine E-Mail an redaktion@cbo.news. Vielen Dank.

1

https://www.vox.com/recode/2019/5/3/18511544/amazon-prime-oral-history-jeff-bezos-one-day-shipping

2

Ich habe dazu mal eine Abhandlung gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Wer hier einen Tipp hat, der bekommt eine CBO Nugget Kaffeetasse von mir. 🙏

hello world!
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Roman Rackwitz

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