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7. Februar 2023

Was ist Ihr liebstes Tool?

Lesezeit ca. 5 Minuten

Maslows Hammer

Seit ich mit ChatGPT herumspiele, löst es alle meine Probleme. Es hilft bei diesem Nugget, gibt mir Impulse für Freizeitaktivitäten und Rezeptvorschläge. Ich kann Fachfragen stellen und sogar einen Putzplan schreiben lassen.

Wobei die Idee eines Chicorée-Pesto wirklich innovativ ist und sieben Tage die Woche „Gründlich reinigen oder eine Pause machen“ eher nach Optionen als einem handfesten Plan klingt.

Ist es etwa möglich, dass dieses Werkzeug nicht für alle Dinge gleich gut geeignet ist?

Um was es geht

Wenn wir ein tolles Werkzeug gefunden haben – egal ob es eine Methode ist, ein Gegenstand oder ein Trendbegriff – neigen wir dazu, es für alle Probleme zu nutzen. Diese Fokussierung ist bekannt als Einstellungs-Effekt, Law of Instrument oder Maslows Hammer.

Ähnliche Begriffe dafür gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert (siehe Birmingham Screwdriver oder 'Non est panacea' (es gibt kein Allheilmittel)). Maslow hat es also nicht entdeckt, sein zentrales Zitat dazu kennen wir aber alle:

Photo by el alce web on Unsplash

Wenn dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht alles wie ein Nagel aus.

Sind sie Scrum-Experte oder überzeugt von agilen Methoden? Prompt ist Agilität die Lösung für alle Probleme. Wurde ihnen eingebläut, Karriere heißt eine Ebene aufsteigen? Dann baut HR entsprechend in jeder neuen Reorganisation mehr Ebenen ein. „Wir brauchen ja Karrierepfade nach oben.“ Ein High-Potential will gehen? Mehr Gehalt ist die Lösung.

Und wenn nicht? Ein Beispiel ist mir gestern erst begegnet: Eine Friseurmeisterin konnte keine Angestellten finden: bis sie nachgefragt hat, woran es denn lag. Die These: am Gehalt. Die Antwort: an den Arbeitsbedingungen. Anstatt an ihrer gewohnten Lösung „mehr Gehalt“ zu hängen, änderte sie prompt die Rahmenbedingungen. Es gibt nun eine 4-Tage-Woche, Öffnungszeiten, die sowohl für Kunden als auch Mitarbeiter:innen passen und Bewerber ohne Ende. Statt das bekannte Führungskonzept weiterzuführen, hat sie so neue Erfolge ermöglicht.

Auch die HarvardBusinessReview stellt fest, dass das Bruttosozialprodukt zwar ein etabliertes, aber eben auch ein ungeeignetes Maß ist, um den Wohlstand und dessen Entwicklung in einer Gesellschaft zu messen. Die Diskussion um das Bruttosozial-Glück ist leider mittlerweile wieder eingeschlafen.

Die Maßstäbe oder auch KPIs (Key Performance Indikators) beeinflussen, woraufhin sich eine Unternehmung ausrichtet und entwickelt. Wie seltsam das ist, zeigt sich am Beispiel des NPS (NetPromoterScore). Es ist die Antwort auf die Frage „Wie wahrscheinlich würden Sie unser Produkt weiterempfehlen?“. Es ist skurril, dass diese Frage auch von Microsoft zu ihrem Betriebssystem gestellt wurde. Eine der Antworten ist mittlerweile ein Meme. Das Forbes Magazin hat dieses Problem auch erkannt und neue Tools an seiner Stelle erdacht.


Eine einfache Erklärung, warum wir dazu neigen ein Handwerkszeug für alles zu verwenden, liegt auf der Hand. Wenn etwas einmal geklappt hat, wird es auch wieder klappen. Die positive Erfahrung belohnt das Wiederverwerten. Warum also ein laufendes System infrage stellen?

Auch ist es erstmal logisch, das zu nutzen, was man bereits kennt. Ein neues Handwerk(szeug) will auch erst gelernt sein. Der Aufwand neues zu erkunden hat immer das Risiko verschwendete Liebesmüh zu sein.

Mehr noch: Wenn ich bereits Zeit investiert habe eine Fertigkeit zu lernen, dann muss es sich aber auch lohnen und erst recht angewandt werden. Sie kennen sicher die Führungskräfte, die nach einem Seminar empathische Floskeln herunterbeten. Hier ist eine Form von „Sunken Cost Fallacy“ am Werk.

Und gleichzeitig gilt: mit jeder gewohnten Lösung verlieren wir die Chance, eine bessere Alternative zu entdecken.

Maslows Hammer zeigt sich auch in der „Deformation professionelle“. Unsere Profession gibt unsere Lösungsideen teilweise mit vor. Bei psychischer Erkrankung wird ein Psychiater (Arzt) zu Medikamenten neigen, ein Psychotherapeut (Psychologe) zu Gesprächstherapie. Bei Schwierigkeiten mit einem Produkt wird Marketing neue Bilder und Texte erstellen, der Vertrieb neue Gesprächsleitfäden bauen und der Entwickler, die Features erweitern. Eine fremde Perspektive kann so an ganz anderen Stellschrauben drehen.

Und sogar innerhalb unserer Profession bleiben wir bei gewohnten Werkzeugen. Dabei schreiten die Entwicklungen in Forschung, Technik und Professionalisierung so rasant voran, dass Wissen (und damit Werkzeug) vermutlich bereits nach 2 Jahren veraltet ist.

Warum das wichtig ist

Jeder Mensch hat seine Lieblingswerkzeuge. Mit ihnen wissen wir umzugehen und leisten gute Arbeit. Als CBO sind Sie sich dessen bewusst und gehen regelmäßig durch ihren Werkzeugkoffer.

Wider der Gewohnheit! Fragen Sie sich selbst – oder besser noch Kollegen – nach Ihren Gewohnheiten.
Was ist die erste Frage, die Sie stellen? Welche Tools benutzen Sie jeden Tag, welche Routinen haben sich eingeschliffen?
Und dann spielen Sie ein wenig damit etwas Neues auszuprobieren.
Wie könnten Sie es ohne genau dieses Tool lösen? Was können Sie sonst noch? Haben Sie eine Alternative (an Programmiersprachen, Kreativitätstechnik, Werkzeug)? Gibt es ein Werkzeug, das Sie schon lange nicht mehr angewendet haben? Oder eines, dass Sie unbedingt mal ausprobieren wollen?
Nehmen Sie sich einmal die Woche vor ein Werkzeug anzuwenden, das sonst verstauben würde.

Man lernt nie aus: lebenslanges Lernen ist nicht nur ein Stichwort der Personalentwicklung. Es sollte in jeder Profession für jeden Menschen selbstverständlich sein. Nicht nur in Hinsicht auf die persönliche Entwicklung und „Employability“ auch in Hinsicht auf Marktentwicklungen und die Überlebensfähigkeit des eigenen Unternehmens.
Achten Sie darauf, dass jeder Mitarbeiter sein Handwerkszeug sauber und aktuell hält: Gute Anlaufstellen für neue Technologien und bessere Werkzeuge sind Berufsverbände, Kongresse, Fachzeitschriften und Ausbildungsstätten. Auch der Aufbau des eigenen Professions-Netzwerks außerhalb der Organisation ist heutzutage unumgänglich. Sei es StackOverflow / Git für Entwickler, LinkedIn für Marketingexperten oder der Alumnikreis Ihrer Schule.
Welche Veranstaltungen besuchen Sie dieses Jahr? Und WIE verbreiten WER die Erkenntnisse in Ihrem Unternehmen?
Die Daumengröße 5 Tage im Jahr stehen Mitarbeitern rechtlich in der Regel für Bildung zu und das sollten Sie als Mindestmaß ansehen.

Der Blick nach draußen: jede Strategieberatung wird Ihnen zum Blick nach Außen raten.
Was sind die aktuellen Gartner Trends? Was macht die Konkurrenz? Was sagen Zukunftsforscher? Was andere Professionen? Und was Ihre Kunden?

Maslows Hammer steht nicht nur für Ihr liebstes Werkzeug: manchmal ist es auch die Produktpalette, ein etablierter Prozess oder das Geschäftsmodell, das sich selbst überholt hat.

Unterm Strich

Das Chicorée-Pesto ist als Rezept noch nicht reif. Und auch den Putzplan erstelle ich doch lieber selbst. Der Versuch aber war es Wert!

Denn nur durch Üben, Ausprobieren und Erfahrung lernen wir den Wert und Sinn eines Werkzeugs kennen. Manchmal zeigen sich so ganz neue Anwendungsmöglichkeiten. Und manche Male eben auch, wann es unsinnig ist.


Chief Behavioral Officer gesucht

Wo werden täglich Managemententscheidungen getroffen, die immer noch vom logisch handelnden Menschen ausgehen? Wo können Sie diese Woche selbst ein Chief Behavioral Officer sein?

hello world!
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Amadeus Pachmann

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